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Pegritz, Bernd: Flipperdesign


Kupferschmid, Indra (Prof.)    Kommunikationsdesign    Master  2016 SS  

 

Schon seit einiger Zeit habe ich einen etwas ungewöhnlichen Nebenjob: Ich arbeite in einem Unternehmen, das sich auf die Restaurierung von Flipperautoma­ten spezialisiert hat. Meine Aufgabe ist es dort, die Abnutzungen auf den Spielfeldern verschwinden zu lassen. Durch diese Be­schäftigung habe ich also schon einige Spielfelder gesehen und musste mich mit kleinsten Details ihrer Grafiken auseinan­dersetzen.

Zuerst hatte ich zwar noch keinen per­sönlichen Bezug zum Thema „Flipper“, aber mit der Zeit setzte ich mich immer mehr damit auseinander, bis mich die Faszination daran gepackt hat. Immer wieder dachte ich mir, was für ein span­nendes Projekt es doch wäre, selbst einen Flipper zu gestalten. Also beschloss ich kurzerhand, einen zu kaufen und ihm im Zuge meiner Abschlussarbeit ein völlig neues Design zu verpassen. Das Spielfeld dieses „Rolling Stones“-Flippers aus dem Jahre 1980 war übersäht mit wilden, bun­ten Mustern, was ihn relativ unübersicht­lich machte. Es war mir daher wichtig, den Spielablauf möglichst verständlich zu kommunizieren.

Nachdem ich einige Überlegungen bezüglich Themenauswahl angestellt hat­te, verfestigte sich folgende Idee: Der Flipperautomat wird zu Buddy – einem Menschen, den man durch Führen eines gesunden Lebensstils möglichst lange am Leben erhalten muss. Dabei bietet die Glasscheibe über dem Spielfeld einen Blick ins Innere des Menschen, wo seine Organe sichtbar werden. Jedes Organ hat spezielle Funktionen, die ich im Spiel wieder aufgreife: Die Leber muss z.B. Schadstoffe abwehren, das Herz muss man mithilfe der Bumper schlagen lassen, die Nieren bilden Nierensteine, die man sammeln muss. Zusätzlich dazu gibt es noch einen Fitness-Bereich, in dem das Ausführen von sportlicher Betätigung be­lohnt wird. Außerdem kann man bei einem Arztbesuch seinen Gesundheitsstatus abfragen und bekommt diesen gutge­schrieben. Das Gehäuse des Flippers wollte ich aktiv in die Gestaltung mit ein­beziehen, sodass es mehr ist als nur die Hülle in der sich alles abspielt. Deshalb bekam mein Gerät Hände und Füße, so­wie ein Gesicht. Somit sieht er schon von weitem aus wie ein menschlicher Körper.

Im Laufe des Arbeitsprozesses stellte sich heraus, dass es sich bei dem Projekt um weit mehr als eine rein grafische/illus­trative Arbeit handelt. Das ungewöhnliche Medium erforderte ein dreidimensionales Denken und eine Kombination aus unter­schiedlichen Techniken in der Umsetzung. Ich bedruckte Holz und Plexiglas in der Siebdruckwerkstatt, nutzte Laser und 3D-Drucker, einen Schneideplotter um Schablonen für das Lackieren des Ge­häuses zu erstellen und eine Airbrush-Pis­tole für Ausbesserungen und kleine Sprüh-Arbeiten. Außerdem war noch eine Reihe an Leuten der Firma Pinball-Dreams aus Saarbrücken involviert, die das Holz­gehäuse aufbereiteten, die Elektronik auf Vordermann brachten, Klarlack auftrugen und mir mit Rat und Tat zur Seite standen.

Am Ende dieses Projektes bin ich nun um einen vollständig funktionierenden, einzigartigen Flipper und zahlreiche Er­fahrungen reicher.

 

Abbildungen

oben:

Vorskizzen zum BUDDY-Schriftzug, der später in Adobe Illustrator ausgearbeitet wurde

 

unten:

Das Gesicht

Frontansicht des fertigen Gerätes

Das Gehäuse nachdem es mit der zweiten von drei Farben besprüht wurde

Ein Blick ins Innere des fertigen Gerätes

Detailaufnahme des Spielfeld-Siebdrucks

 

 









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